Autofahren, Plastiktüten, Fleischkeks- Ökoschwein?! Meine Hündin Fari und ich bekennen uns schuldig! Doch wohl ist uns (naja mir) dabei nicht. Was tun?

Vets See….

Zeit sich an die eigene Nase, oder besser gesagt den eigenen Klimasau-Rüssel zu fassen: Gestern bin ich wieder ganz amilike mit meinem alten Abgasspucker alias Fordi (ein 18-jähriger Ford Focus, den ich vor allem wegen des Hundes gekauft habe) das kleine Stück zum Spazieren Richtung Wald gefahren. Warum? Tja, ich bin wohl fauler als Balu der Bär! Dort habe ich Kacktüten aus Plastik benutzt (,die ich aber immerhin ordnungsgemäß entsorgt und nicht im Wald verscharrt oder an den Zaun geknotet habe- eine Berliner Unart) und danach Fari ihr fleischreiches Abendessen aus kleiner Plastikschale serviert. Hätte ich Bargeld in der Tasche gehabt, wäre auch noch ein Kaffee im Pappbecher mit uns spazieren gegangen.

Super Lisa, gut gemacht.

Sind Hunde Klimaschweine?

Dem Buch „Time to eat the dog?” zufolge, ja.  Hat es jemand von Euch gelesen?

Weitere Denkanstöße lieferte eine US-Studie, die aufzeigte, welche Mengen Fleisch Hunde und Katzen vertilgen (unterstützt durch Fütterungstrends wie BARF, der „Getreide-Phobie“ vieler Hundehalter und generell fleischreicher Tiernahrung), was in Summe mit der menschlichen Fleischeslust viele Schadgase produziert, Unmengen Wasser verbraucht und Agrarflächen überansprucht.

Neue Untersuchung zur Ökobilanz von Haustieren

Neuer ist die Untersuchung vom Dienstleistungsunternehmen ESU Services, welche die Ökobilanz von Haus- und Heimtieren unter die Lupe genommen hat. Also: Wie wirken sich Fütterung, Behausung, Fäkalien oder Fahrten mit dem Pkw von Pferden, Hunden, Katzen, Fischen oder Vögeln auf die Umwelt aus?

Das kam dabei raus:

  • Auf die Größe kommts an: Je größer ein Tier, desto größer sein ökologischer Pfoten/Hufabdruck. Während Zierfische im Bezug auf den Klimawandel wahrlich nur kleine Fische sind, hinterlassen Pferde tiefere Spuren. Das hat damit zu tun, dass sie viel fressen (sympathisch!), wie Kühe das sehr klimawirksame Methan (= CH4) pupsen (naja Kühe rülpsen eher), häufig zu Turnieren und Trainings gekarrt werden und im eingestreuten, beheizten Stall stehen.
  • Futterproduktion entscheidend: Die Fütterung hat bei jedem Tier den größten Einfluss auf die Ökobilanz. Am unökologischsten ist die Rohfleischfütterung (BARF) bei Hunden, aber auch die Heu-und Strohproduktion bei Pflanzenfressern wie dem Pferd verbraucht Ressourcen. Fütterungsversuche mit Kühen haben übrigens ergeben, dass stärkereiche Nahrung dazu beiträgt den Methanausstoß der Ewig-Schmatzenden zu verringern. Die wird nämlich schneller verdaut und folglich weniger gerülpst. Zudem mindert der Zusatz bestimmter Fettsäuren zum Futter das Wachstum CH4-bildender Bakterien in den Vormägen.
  • Weniger ist mehr- Auto fahren: Tiere fahren zwar kein Auto, aber viele Tierhalter haben eines, um damit zum Spazierengehen, Tierarzt oder Turnier (Pferd) zu fahren (icke!)
  • Haltung Pferd: Die Haltung eines Pferdes ist nicht ohne. Ein Jahr entspricht der Umweltbelastung einer 21 500 Kilometer langen Autofahrt (= 11,5 Mal von Kiel nach Rom fahren!!), das ist mehr als ein durchschnittlicher Autofahrer im Jahr zurücklegt (13.700 km). Beim Hund sind es 3700 Kilometer. Die Haltung von Pferden ist damit ähnlich klimawirksam wie das Autofahren.

Was kann ich als Tierhalter tun um die Ökobilanz zu verbessern?

Im Folgenden ein paar Denkanstöße:

  • Fütterung: Ich schreibe Niemanden vor, wie er zu essen oder sein Tier zu füttern hat und plädiere auch nicht für eine vegetarische Fütterung von Hunden. Aber Fakt ist: Wenig Fleisch und Milchprodukte sind gut für die Umwelt. Rein aus ökologischer Sicht ist die Rohfleischfütterung (BARF) demnach am problematischsten,  da dabei die größten Mengen Fleisch verfüttert werden und bei der Produktion von Fleisch sehr viele Klimagase entstehen sowie große Flächen Farmland bewirtschaftet und gewässert werden müssen. Im Buch „Der grüne Hund“ rät die Autorin zu fleischlosen Snacks und zwei vegetarischen Tagen pro Woche. Dagegen ist nichts einzuwenden.
  • Insektenprotein: Inzwischen gibt es einige Futterhersteller, die auf alternative und ökologischere Eiweißquellen zurückgreifen. Da Insekten wahre Eiweißbomben sind, werden sie zu Mehl zerschreddert und ins Futter gegeben. Was im ersten Moment nach Dschungelcamp klingt, finde ich eigentlich recht vielversprechend. Zwar fehlt es noch an Langzeitstudien, aber erste Untersuchungen zeigen, dass Hunde das Futter mit „Dschungelcamp-Feeling“ gern fressen und auch gut verdauen können.
  • Feuchtfutter in Dosen und Plastikschälchen produziert mehr Verpackungsmüll als z. B. Trockenfutter und lässt die Tiere größere Mengen Kot absetzen = Ihr braucht mehr Plastiktüten zum Aufheben.
  • Generell gilt: Wenig wegmscheißen ( jeder weggeschüttete Liter Milch entspricht 1,1 Kilogramm Treibhausgas) , lokale Hersteller wählen.
  •  Haltung- zwei Punkte, die ich nicht auf dem Zettel hatte:
  • Einstreu. Späne ist besser als Stroh, wenn möglich aus lokaler Herstellung (gilt natürlich auch für Katzenstreu). Bei Pferden ist die Outdoor-Haltung ökologischer (weniger Stromkosten, keine Einstreu von Nöten, mehr Gras weniger Heu).
  • Katzenklappen. Katze rein, Katze raus.  Immer geht Wärme flöten! Sollten möglichst gut abgedichtet sein.
  • Auto Fahren: Weniger ist mehr! Fahrgemeinschaften bilden. Auch mit Hunden kann man wunderbar Zug oder Mitfahrgelegenheit fahren (Maulkorb mitnehmen). Und für kurze Strecken aufs Fahrrad schwingen, das ist eh top wegen Frischluft, Bewegung und Ausdauer.

Gebeutelte Städte: Wie lässt sich Hundekot umweltfreundlich entsorgen?

Um die Wortwahl einer feinen Dame zu verwenden: Viel Kacke ist kacke für die Umwelt! 😉

Überall liegt Scheiße man muss eigentlich schweben. Jeder hat n Hund aber keinen zum Reden..Ich atme durch den Mund das ist Teil meines Lebens…

Peter Fox in Schwarz zu Blau über Berlin

Aber das stinkende Elend liegenlassen ist (vor allem in der Stadt) auch keine Option (großes Hundehasser-Thema, vor allem wenn das Kleinkind mal wieder voll in die Scheiße gegriffen hat ;))). Deswegen müssen Beutel her und die sind meist aus Plastik. Einem Artikel der Süddeutschen Zeitung nach sind Städte im wahrsten Sinne gebeutelt: „Schätzungen zufolge werden mehr als 500 Millionen Beutel pro Jahr in Deutschland verwendet, die meisten davon landen in der Müllverbrennungsanlage“.

Leider scheint es die perfekte Lösung, bzw. den optimalen Öko-Super-Kackbeutel (=nicht Erdöl basiert, aus rein pflanzlichen, nachwachsenden Materialien, in freier Natur bei 20-30 Grad kompostierbar, bezahlbar) noch nicht zu geben. Je mehr ich dazu lese, desto verwirrter bin ich. So gibt es Plastikbeutel, Recyclingbeutel und Beutel aus Bio-Plastik. Letzteres scheint zwar beliebt, aber überschätzt zu sein.

Bioplastik- was ist das Problem?

Hier ein paar der Probleme mit Bio-Plastik, die ich verstanden habe:

  • Material muss nicht einheitlich gekennzeichnet werden, es werden zahlreiche Materialien verwendet, von denen viele nix taugen
  • die Herstellung nachwachsender Rohstoffe (besser als Erdöl basierte Materialien) verbraucht ebenfalls viel Wasser und Energie (nicht ressourcenschonend!)
  • viele Beutel bauen sich nur unter industriellen Bedingungen, aber nicht in freier Natur ab
  • nachwachsende Ressourchen sind nicht immer biologisch abbaubar und können den Recyclingprozess anderer Materialien stören
  • sogenanntes oxo-biologisch abbaubares Plastik verbleibt als Mikroplastik im Boden (gar nicht gut!)
  • Beutel aus Polyvinylalkohol zersetzen sich bei flüssigem Inhalt (n Träumchen bei Durchfall-Kandidaten)

Somit ist recyclebarer Plastik biologisch abbaubaren Beuteln (=Beutel aus Bioplastik) vorzuziehen. Oder eben: Geschäft per Schippe in die Biotonne hieven!


Letzlich bleibt zu sagen, dass wir Menschen einfach die größeren Öko-Schweine sind. Weil wir kurz mal nach Malle fliegen wollen, viel Fleisch essen, alles in Plastik verpacken, jeden Monat neue Outfits kaufen, nicht mitm heizen geizen usw, usw. Still so much to Do!

Wie gesagt, ich bin weiß Gott kein Vorbild was Nachhaltigkeit angeht. Aber vielleicht wird es Step-by-Step besser?!

Tut Ihr schon was und wenn ja was?    

Hund und Herrchen blicken aufs Wasser
Hoffentlich können wir solche Ausblicke noch lange genießen!