In den letzten zwei Monaten habe ich mich ungefähr so  unbeschwert gefühlt, wie ein Kind, das von seinen Eltern auf der Autobahnraststätte vergessen wurde. MAAAAAMA!

Peter Pan will auf den Arm

Ja manchmal, da läufts einfach nicht. Das Erwachsenendasein, das empörender Weise täglich an meine Tür klopfte, um mich mit Arbeit, Wäsche, Rechnungen, Kopfkino und (zu) vielen Gedanken zu überschütten und sich partout nicht abschütteln ließ, erfüllte mich mit einer Mischung aus Panik, Unsicherheit und Überforderung bei gleichzeitiger Langeweile.

Was lief schief?

  • Dauerregen. Kälte. Alltagskoller. Zunehmendes Verlangen sich bei Goodbye Deutschland anzumelden und als Surflehrerin auf Hawaii zu arbeiten. Dann die Erkenntnis: Du kannst nicht surfen und hasst Wind.
  • Angst vor Veränderung bei gleichzeitigem Drang nach Veränderung.
  • Zukunftspanik, Suche nach Heimatgefühl und genereller Berufung, blöde Neidgefühle auf alle, die diese gefunden haben.
  • Erkenntnis, dass 32 ein gutes Alter ist um Dinge anzupacken, weiterzukommen und generell großes zu vollbringen, gefolgt von Schockstarre und 3-stündigem dümmlichen an die Wand-Geglotze.
  • Brief von der Rentenkasse. Darin vermerktes Renteneintrittsalter (2054) ließ mich zusammenzucken (obwohl ich gar nicht ungern arbeite, es klaut nur einfach so viel Zeit).
  • Feststellung, dass die grauen Haare sich nun regelmäßig zur Vollversammlung treffen, um neue Mitglieder zu werben und die Dunklen zu verdrängen (Rassistenpack!)
  • Am Sofa festgeleimter Hintern mit entsprechend mickrigem Sportpensum und dem daraus folgenden Teufelskreis aus schlechtem Gewissen, Ärger über sich selbst und blödem Körpergefühl.
  • Blasenentzündung. Erkältung. Gelenksentzündung. Schmerzen.
  • Hundekoller und im Kopf die Stimme eines Teufelchens, der mich hämisch fragte, wie ich auf die beknackte Idee kam, mir alleine einen Hund anzuschaffen? Danach doppelt schlechtes Gewissen, weil Hundekoller=Rabenmutter? + zu kurze Spaziergänge=Hund unausgelastet und Besitzerin durchgefroren und unzufrieden.
  • Schlechter Schlaf, Augenringe bis zum Kinn und ein Spiegelbild, das nach Restauration und Schminke schrie.
  • kreative Leere und Mühe ein paar Worte aufs Papier zu bringen.
  • Genervtheit darüber, so viel Zeit am Handy und insbesondere bei Instagram zu verplempern (oh du gnadenloser Apple-Wochenbericht!) und sich danach oft doof zu fühlen.
  • Feststellung, dass „etwas gönnen können“ heutzutage eine seltene Tugend ist, selbst unter Freunden.

Wow, die Liste ist echt lang. Ich glaube am meisten zu schaffen machte mir, dass meine eigentlichen Glücksgaranten (Sport, Hund, Schreiben) sich plötzlich so mühsam anfühlten. Kurz liebäugelte ich mit dem Gedanken den Kopf in den Sand zu stecken, beschloss dann aber doch die Kurve zu kriegen.

An alle, die ihren Kopf auch gerade Richtung Sand ausstrecken, bzw. denen das Wasser bis zum Halse steht… Lasst die Schultern nicht hängen! Das wird auch wieder besser.

Eigentlich einer meiner Glücks-Garanten ging mir mächtig auf den Keks.

Wege aus dem Alltags-Sumpf

Folgende Punkte helfen mir bei Durchhängern:

  • Mama/Papa anrufen. Freund und Freunden, die einem den Kopf zurechtrücken, leidende Sprachnachrichten schicken. Sich auskotzen und jammern, nach Rat fragen, vllt auch mal n bisschen heulen und dann aber auch wieder das Selbstmitleid beiseite packen.
  • Sportroutine ändern, etwas Neues ausprobieren, bescheuerte Kurse mitmachen, sich für lahme Joggingrunden loben und zugestehen, dass man nicht das ganze Jahr ein Motivationsgott sein muss.
  • Musik aufdrehen. Tanzen. Musik aufdrehen. Auto fahren.
  • Weniger Instagram, weniger vergleichen. Energie stattdessen in die Planung cooler Erlebnisse und die eigene Weiterentwicklung stecken.
  • Mini-Bucket Lists schreiben (was möchte ich diesen Monat abhaken?) und mindestens eine neue Sache anpacken.
  • Hund/Kind mal an Freunde/Kollegen/Familie abgeben und die freie Zeit bewusst genießen. Sich klarmachen, dass man kein schlechter Hundebesitzer, bzw. keine Rabenmutter ist, nur, weil einem der eigene Hund/das eigene Kind mal auf den Keks geht.
  • Die Wohnung und Fenster putzen, das Bett frisch beziehen, Krempel und alte Klamotten aussortieren, über Flohmärkte stöbern, Blumen kaufen.
  • Sich selber etwas gutes tun.
  • Frisch kochen, mit Freunden essen/essen gehen, Kuchen (mein persönlicher Feiertag ist Cake-Friday!)
  • Lesen, eine Morgenroutine finden (bei mir 5 Min. Farinha kraulen, dann Kaffee und News-Podcast von Zeit online hören).

Leider habe ich noch nicht rausgefunden, wie man besser schläft. Papa riet mir zu Melatonin…? Ansonsten helfen hier glaub ich auch folgende Dinge: Abendroutine finden und ähnliche Schlafenszeiten, Zimmer abdunkeln, Ruhe, Handy aus. Weniger Zeit am Handy ist heutzutage glaube ich eh der reinste Wellnessurlaub!

Was hilft Euch durch schlechte Zeiten?